„Wie für den Film gemacht“ – Nachschlag

Hier findest Du alle Infos aus der Sendung „Wie für den Film gemacht“ und wie immer auch alles, was es nicht mehr in die Sendung geschafft hat.

Misirlou (Pulp Fiction)

Das Original ist ein Ost-Mediteranes Traditional für Sas oder Mandoline, das quer durch die Kulturkreise interpretiert wurde. Die erste nachweisliche Aufnahme ist von 1919 und kommt aus Ägypten, während es aber auch ältere dokumentarische Aufzeichnungen zu arabischen, jüdischen, armenischen, persischen (Iran/Irak), griechischen und türkischen Versionen gibt. Jan August lieferte 1956 eine Bossa Nova Version für’s Piano und erst 1962 kam die heute bekannte Surfversion von Dick Dale, die wiederum wieder oft gecovert wurde (u.a. von The Beach Boys und The Ventures). Mit Pulp Fiction sprang der Song entgültig ins öffentliche Bewusstsein und brandte sich als DER Song von Pulp Fiction ein.

Eine exotischere Version von Misirlou hat es zuvor auch schon in einen „1001 und eine Nacht“ Film geschafft:

Superman (Scrubs)

Allgemein bekannt als „Scrubs Theme Song“ wurde der Song Superman von Lazlo Bane ursprünglich rund 1 Jahr vor der Premiere von Scrubs auf dem Soundtrack der Komödie „The Tao of Steve“ (zu deutsch „Dex, der Frauenheld“) im Jahr 2000 veröffentlicht. Zach Braff (J.D.) war es, der dem Scrubs-Erfinder und Produzenten Bill Lawrence den Song als Theme Song vorschlug, weil der Text gerade zur ersten Staffel wie die Faust auf’s Auge passte. Ein Jahr nach der ersten Episode wurde Superman von der Band auf dem eigenen Studioalbum „All the Time“ und als Teil des ersten Scrubs Soundtracks neu veröffentlicht. Für die 9te und letzte Staffel von Scrubs, die eigens für die neue Scrubs-Heimat ABC produziert wurde, wurde eine Coverversion als Thema verwendet. Für Scrups-Fans endete die Serie einfach mit der 8ten Staffel auf NBC.

Anything, Anything (Nightmare on Elm Street 4, Road Trip)

Das Original von „Dramarama“ ist einer der meistgewünschten Songs des Senders KROY in Los Angeles und man hört den Song kurz in einer Episode der Serie Entourage. 2014 wurde der Track in den Soundtrack von Two Night Stand aufgenommen. Seit seiner Veröffentlichung 1985 wurde Anything, Anything immerhin 4 mal gecovert, unter anderem in einer etwas rotzigeren Variante von der Band Buckcherry, die wiederum im Film Road Trip zu hören war. In Nightmare on Elmstreet 4 hört man den Song zweimal.

Cancan/Spectacular Spectacular (Moulin Rouge)

„Der Cancan ist ein schneller französischer Tanz im 2/4-Takt, der um das Jahr 1830 in Paris entstand.“ (Quelle: Wikipedia) Der Tanz war ursprünglich noch ein volkstümlicher Tanz, wurde aber schnell von Schaustellern und Varieté Gruppen adaptiert und auch schnell wegen der Einblicke unter die weibliche Beinbekleidung polizeilich verboten. Häuser wie das Moulin Rouge haben den Tanz dennoch weiter im Programm behalten und zeigen ihn bis heute in ihren Programmen. Das Stück, das man heute gemeinhin als Cancan kennt stammt übrigens aus Jacques Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt“ von 1858 und heißt eigentlich „Galop infernal“ oder auch Höllen-Cancan, was sich schon kurz nach der Erstaufführung als Publikumsliebling herausstellte.
Für „Spectacular Spectacular“ findet sich die komplette Filmbesetzung ein und jeder hat einen Einsatz. Im Film wird dem potentiellen Finanzier ein neues Theaterstück vorgestellt, doch erzählt das Stück im Prinzip den restlichen Film.

As Time Goes By (Casablanca)

Fast so berühmt wie die Einleitung „Play it again, Sam“ durch Ingrid Bergman, ist Dooley Wilson aka Sams Filmversion von „As time goes by“ von 1942. Den Wenigsten ist bekannt, dass der Song zu dieser Zeit schon 11 Jahre alt war und ursprünglich aus dem Musical „Everybody’s Welcome“ von 1931 stammt. Geschrieben von Herman Hupfeld ist der Song dennoch das musikalische Synonym zu Casblanca, der es als solches auf Platz 2 der „100 Years… 100 Songs“ Liste des American Film Institute geschafft hat und dem Film als Leitmotiv für den gesamten Soundtrack dient. Auch wenn die Filmfigur Sam „As time goes by“ singt und dazu das Piano spielt, hat Elliot Carpenter die eigentliche Klavierbegleitung zu Wilsons Gesang eingespielt. „As Time Goes By“ wurde bis in die Gegenwart immer wieder neu interpretiert und gecovert, unter anderem durch Lois Armstrong, Frank Sinatra, Neil Diamond, ZZ Top oder Brian Ferry. Warner Bros. hat den Refrain des Songs seit dem 75jährigen Studiojubiläum 1999 in das Eröffnungslogo der Filme integriert und wird seitdem auch immer wieder eingesetzt, sofern das Franchise es zulässt. Bei TV-Produktion gehören die 4 Töne des Refrains „As Time Goes By“ zum Abschlusslogo.

Stand by me

Stand by me, geschrieben und gesungenen von Ben E. King, erschien erstmals 1961 und erreichte Platz 4 der US und Platz 27 der UK Charts. Als 1986 der gleichnamige Film erschien und dieser mit dem Rerelease des Originals samt passendem Musikvideo beworben wurde, stürmte der Song 1986 und ’87 sämtliche Charts. Top 10 Platzierungen in USA, Deutschland, UK und weiteren Ländern bescherten dem Song Platz 6 auf der ewigen Liste der Songs mit den höchsten Einspielergebnissen. Der Song wurde über 400 mal von verschiedenen Künstlern gecovert. Die Drifters, deren Leadsänger Ben E. King vor seiner Solokarriere noch bis 1960 war, nahmen kurz nach dessen Tod 2015 eine Tribute-Single des Songs auf. Eine der jüngsten Versionen stammt von Florence & The Maschine und wurde prominent im Videospiel Final Fantasy 15 eingesetzt.

Everybody Needs Somebody to Love (Blues Brothers)

Für viele Leute bis heute noch der beste Musikfilm der Geschichte und eine grandiose Komödie, ist es bis heute nicht zu vielen durchgedrungen, dass es im gesamten Film keinen einzigen Song gibt, der für Blues Brothers geschrieben wurde. Es handelt sich bei allen Songs um Jazz, Blues und Rhythm & Blues Klassiker aus den 50er und 60er Jahren. Alle Gastmusiker wie Aretha Franklin, James Brown oder Ray Charles – aus heutiger Sicht Künstler höchster Güte – waren im Entstehungsjahr 1980 nahezu arbeitslos, weil Jazz und Co weitestgehend außer Mode war und weder Studiozeit noch Konzerte gefragt waren. Vor allem wegen Dan Aycroyds Liebe für diese Musik, setzte er durch sie alle für den Film zu engagieren, was eine kleine Renecaince für die Künstler einleitete. „Everybody Needs Somebody“ wird noch heute auf Parties gespielt und ist unumstößlich mit dem Film verbunden. Dabei stammt das Original von 1964, wurde von Solomon Burke gesungen und erschien als Single bei Atlantic Record, wo es gerade mal Platz 58 in den US Charts erreichte. Vor den Blues Brothers wurde der Song 1965 für das zweite Album der Rolling Stones und 1966 von Wilson Pickett gecovert (Platz 29). Burke durfte 2002/2003 während der Tour der Stones den Song auf der Bühne performen, dessen Aufnahme auch seinen Weg auf das Stones-Album „Live Licks“ gefunden hat.

Bad to the Bone (Terminator 2, Christine, Al Bundy)

Manchmal gibt es auch Songs, die man gerade in Filmen immer wieder hört und sie dadurch quasi schon für einen Klassiker hält. Dazu gehört in jedem Fall „Bad To The Bone“ von George Thorogood and the Destroyers. Obwohl der Song 1982 erschien, wirkt er mehr wie ein typischer American Rhythm And Blues aus den 60ern oder 70ern, wie er auch von John Lee Hooker sein könnte. Als Single war der Song nie ein kommerzieller Erfolg, obwohl das Video zum frühen Portfolio des noch kleinen Senders MTV gehörte. Alle Filmeinsätze aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, aber Bilder, die einem gerne wieder in den Sinn kommen, sind die eines roten Cadillacs mit dem Namen Christine, dessen Scheinwerfer aufblenden, während sich das Autoradio einschaltet, oder von Arnold Schwarzenegger in Terminator 2, wie er erstmals in Lederkluft und Sonnenbrille aus der Bikerbar kommt, oder die von Al Bundy, wie er sich auf das Grillen, einen Wettbewerb oder auf Sex mit seiner Frau vorbereitet.

Oh Yeah (Ferris macht Blau, Das Geheimnis meines Erfolgs)

„Oh Yeah“ aus dem Jahr 1985 stammt von der schweizer Band Yello und wurde erstmal auf dem Album „Stella“ veröffentlicht. Ein Jahr später wurde der Song weltberühmt, da er in „Ferris Bewlers Day Off/Ferris macht blau“ gleich 2x eingesetzt wurde. Zum einen dient er als Hintergrundmusik, während der 1961er Ferrari GT California vorgestellt wird, zum anderen läuft er als Abspannmusik, während der geschlagene Schuldirektor Rooney mit einem Schulbus nach Hause fährt. 1987 gab es eine weitere Verkaufsspitze durch „The Secret Of My Success/Das Geheimnis meines Erfolges“. In der betreffenden Szene chauffiert Bradley, gespielt von Michael J. Fox, die Frau seiner Chefin beziehungsweise die ihm unbekannte Tante mit einer Limosine nach Hause, während Sie beginnt ihn zu verführen. Die Szene endet im privaten Swimmingpool mit den Klängen vom Weißen Hai, während Sie Ihn unter Wasser zieht, ihm die Badehose auszieht und abschließend nur noch ein nasses Bikinioberteil zu sehen ist. Es gab weitere Einsätze in Film und Fernsehen, aber heute dürfte Duffman aus den Simpsons noch am präsentesten sein, dessen Partymobil gerne mit „Oh Yeah“ vorfährt. Obwohl der Song nie ein großer Singleerfolg war, ist es wohl Yellos bekanntester Song.

Soul Bosanova (Austin Powers)

Quincy Jones komponierte diesen Titel angeblich in nur 20 Minuten und prouzierte ihn für das 1962 erschienene Album „Big Band Bossanova“. Für Jazz Fans: Die Flöte wurde von Rahsaan Roland Kirk eingespielt, der von ’56 bis zu seinem Tod ’77 die Jazzmusik prägte und unter anderem Jimmie Hendrix und Frank Zappa stark beeinflusste. Auch wenn es anders klingt: Der Song ist rein Instrumental. Die Seufzer gerade am Anfang stammen von einer portugiesischen bzw. brasilianischen Cuíca, einem Perkussionsinstrument, das gerne auch „Lachende Kürbisflasche“ genannt wird.
Der Song wurde mehrfach in Filmen eingesetzt, das Original bereits 1964 in „The Pawnbroker/Der Pfandleiher“ und in abgewandelter Form 1969 in Woody Allen’s „Take the Money and Run/Woody, der Unglücksrabe“. Von 1974 bis 1989 war es zudem die Titelmelodie der kanadischen Gameshow „Definition“, mit der der Schauspieler Mike Meyers aufwuchs. Als Hommage an diese Show verwendete er den Song ab 1997 schließlich als Intro für seine Austin Powers Komödien. 2001-2005 entlieh sich Kaya Yanar den Song für die Show „Was guckst Du“.

Hooked on a feeling (Ally McBeal, Guardians of the Galaxy)

Hooked on A Feeling wurde von Marl James geschrieben, der bekannt für seine Kompositionen berühmter Elvis-Songs und bis heute als Komponist und Produzent tätig ist. „Hooked on a Feeling“ wurde erstmals 1968 von B.J. Thomas eingespielt und war auch kommerziell mit einem Platz 5 in den US Charts erfolgreich. 1971 kam eine geglättete Version von Jonathan King heraus, die aber nur Platz 23 in den UK erreichte, aber erstmal mit einem „Uga Chaka“ Intro einstieg. 1974 erschien dann die heute bekannteste Version von Blue Swede, mit denen den Schweden ein US Nummer 1 Hit gelang und mit ihm in den Jahrescharts von ’74 Platz 20 erreichten. Nicht unmaßgeblich für den Erfolg dürften die Änderung ein paar Songzeilen sein, die wage Drogenreferenzen entfernten. Der Song stieg erst vor kurzem wieder in die Charts ein, da er in den Trailern von „Guardians of the Galaxy“ eingesetzt wurde und gerade das jüngere Publikum das erste Mal mit dem Song in Kontakt kam.

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