Nachschlag: Zach Braff

– Podcast (verfügbar bis 05.07.2017)
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Playlist:

– Rob Simonsen – Opening (from „Going in Style)
– Dave Brubeck – Take Five
– Colin Hay – Overkill
– Frou Frou – Let Go
– Remy Zero – Prophecy
– Radical Face – The Mute
– Danny Elfman – Oz The Great & Powerful Main Theme
– Zach Braff – I’m Sitting on Top of the World
– A Tribe Called Quest – Can I Kick It?
– Joshua Radin – Closer

Manhatten Murder Mystery

Wir springen mal an den Anfang seiner Karriere. Im Alter von 18 Jahren spielte er 1996 an der Seite von Woody Allen und Diane Keaton in Manhattan Murder Mystery Nick Lipton. Der Film handelt vom Ehepaar Lipton, die den vermeintlichen Mord an der Nachbarsfrau aufklären wollen. Mit ein paar Irrungen und Wirrungen wird am Ende natürlich alles aufgelöst. Woody Allen ist hier nicht nur als Schauspieler aktiv, sondern schrieb auch das Drehbuch und führte Regie. Es war die letzte Zusammenarbeit von Diane Keaton und Woddy Allen, die bei insgesamt 8 Filmen zusammenarbeiteten und meistens auch hierbei zusammen vor der Kamera standen. Manhattan Murder Mystery sollte übrigens ursprünglich nur ein Erzählstrang in Der Stadtneurotiker sein, wurde aufgrund der Komplexität zu einem eigenen Film.

„Take Five“ erschien 1959 mit dem Dave Brubeck Quartett Album „Time Out“ und wurde von deren Saxophonisten Paul Desmond geschrieben. Angeblich entstand es aus einer Improvisation während einer Probenpause, woher auch der Name kommt (Take Five heißt umgangssprachlich so viel wie Mach mal 5 Minuten Pause). Mit dem charakteristischen 5/4 Takt und dem Rhythmus gebenden Piano, das sogar während des Drumsolos durchspielt, gehört Take Five wohl zu den bekanntesten Musikstücken des 20. Jahrhundert.

Scrubs

Machen wir den großen Sprung ins Jahr 2001 und kommen damit zur Serie, die Zach Braff bekannt gemacht hat: Scrubs. Hier spielt er den Arzt JD oder auch John Dorian – oder eben auch Carol, Nancy, Lindsay, Betty, Joanna, Angela, Shannon, Wilma, Vivian und Wonderbra, um auch hier nur ein paar der Namen zu nennen. Der Running-Gag von Dr. Cox seinen Lehrling JD mit Mädchennamen anzusprechen basiert angeblich auf der Angewohnheit von Dr. Cox Darsteller John C. McGinley seinen Freund und Nachbarn so zu nennen. Dieser Nachbar ist John Cusack.

Colin Hay ist der ehemalige Leadsänger der Band „Men At Work“, deren bekanntester Song „Down Under“ ist. Songs von ihm kommen bei Zach Braff Produktionen immer wieder vor und mit „Overkill“ (ursprünglich eine Single von „Men At Work“) ist er sogar Teil von JDs Tagträumen und singt den Song Gitarre spielend in verschiedensten Krankenhaus-Alltagssituationen. Legendär die Szenen, in der JD ihn bittet leiser zu singen und Hay daraufhin lauter wird oder Doctor Cox genervt Hays Gitarre zertrümmert. Wer die Szenen sehen will: Mein Rundumschlag (My Overkill), Staffel 2 Folge 1!

Fun Fact: Zach Braff singt in Scrubs immer wieder selbst. Faith, Don’t Stop Believin‘, Africa, Down Under und natürlich diverse Stücke in der Musical Episode „Mein Musical“, in der eine Patientin und damit auch der Zuschauer sämtliche Gespräche als Gesang wahrnimmt. Wenn man auch sonst kein Scrubs-Fan ist, sollte man sich diese Folge 6 der sechsten Staffel durchaus mal anschauen.

Garden State

Während einer Drehpause von Scrubs hatte Zach Braff Zeit den Film Garden State zu drehen. Hierfür ging es zurück nach New Jersey, wo er aufgewachsen ist. Neben Natalie Portman, Peter Sarsgaard und Ian Holm spielt er hier Andrew Largeman, der nach dem Tod seiner Mutter zum ersten Mal seit 9 Jahren in seine Heimatstadt zurückkehrt um an der Beerdigung teilzunehmen. Das zerrüttete Verhältnis zu seinem Vater birgt ein dunkles und trauriges Geheimnis. Er lernt die chronisch lügende und quirlike Sam kennen, sagenhaft gut gespielt von Natalie Portman. Zusammen mit Mark, dargestellt von Peter Sarsgaard, gehen die beiden auf einen Ausflug, denn Mark hat ein Geschenk von Andrew. Zweitausendeins.de beschreibt meiner Meinung nach dem Film extrem gut: „Eine Komödie voller Skurrilitäten, in deren Verlauf der Protagonist seine Vergangenheit erkundet und mit einer Reihe merkwürdiger Typen konfrontiert wird. Der originelle Debütfilm erzählt seine Geschichte in gemächlichem, dem Thema angemessenem Tempo.“ Garden State wurde auch von Zach Braff geschrieben und es ist auch sein Regie-Debüt. Laut seiner Aussage basiert der Film zu gut 80% auf aktuellen Erlebnissen, auch wenn es nicht alle seine sind.

Frou Frou ist ein Musikprojekt der britischen Musiker/Produzenten Imogen Heap und Guy Sigsworth. Sigsworth lernte Heap 1998 während seiner Arbeit mit Björk kennen, woraus eine gelegentliche Zusammenarbeit im Studio und auf der Bühne entstand. 2002 entstand unter dem Universal Label das einzige Album, deren Singleauskopplungen nur in Asien einen nennenswerten Erfolg verzeichneten. „Let Go“ dürfte dank Zach Braff der bekannteste Song sein, obwohl er nie als Single veröffentlicht wurde.

Zach Braff hat für den Soundtrack den Grammy für das beste Compilation Soundtrack Album in Film, Fernsehen oder andere visuelle Medien gewonnen.

The Last Kiss

Bereits ein paar Jahre später, nämlich 2006, spielt Zach Braff an der Seite von Rachel Bilson, Casey Affleck, Blythe Danner und Tom Wilkinson in der Tragikomödie The Last Kiss oder halt der Letzte Kuss. Hier hat er am Drehbuch mitgearbeitet und spielt die Hauptrolle, Regie führte Tony Goldwyn. Michael und Jenna sind allem Anschein nach das perfekte Paar, doch als Jenna schwanger wird, hat Michael auf einmal Angst, etwas zu verpassen. Auf der Hochzeit eines Freundes, lernt er die lebenslustige Kim kennen, nach ein wenig hin und her beginnen die beiden eine Affäre. Natürlich fliegt es auf und Jenna und Micheal müssen sich mit der Situation auseinandersetzen und es gipfelt darin, dass Michael tagelang vor der eigenen Haustür ausharrt, bis ihn Jenna wieder ins Haus und damit in ihr Leben lässt. Auf der DVD selbst ist noch ein alternatives Ende zu sehen. Wie man sich denken kann, ist dieses nicht so positig.

Die Band „Remy Zero“ gründete sich bereits 1989, wurde aber erst 1995 von der Band „Radiohead“ entdeckt und als Vorgruppe mit auf Tour genommen. Auch wenn die Studioalben nie wirklich erfolgreich waren, wurden viele Songs in insgesamt 9 verschiedenen Filmen gespielt. Eine 50 Sekundenversion des Songs „Save Me“ hat es sogar zum Titelsong der 10. Staffel von „Smallville“ geschafft.

Zach Braff hat mit „The Last Kiss“ wieder seine Künstlertreue bewiesen und die Jungs nach Garden State erneut eingesetzt. Die Band trennte sich allerdings schon 2003.

Die Fantastische Welt von Oz

Springen wir ins Jahr 2013 und kommen zu einem Film, in dem Zach Braff nur eine Nebenrolle hat: de fantastische Welt von Oz bzw. Oz the Great and Powerful wie er im Original heißt. Der Film erzählt die Vorgeschichte zum Zauberer von Oz, die weder in den Büchern von Lyman Frank Baum noch den Verfilmungen genauer beleuchtet wurde. Oz, gespielt von James Franco,

Danny Elfman schrieb die Filmmusik in gerade mal 6 Wochen und hat später gesagt, dass ihm dabei zwei Dinge zu Gute kamen: Zum einen konnte er dank des Themas eine Old School Komposition machen, ohne dabei altmodisch zu werden, und zum anderen hatte er die Möglichkeit die Musik erzählerisch zum Film zu gestalten, was seinem Arbeitsstil sehr entgegenkam.

Der Soundtrack ist rein orchestral, auch wenn Mariah Carey für „Die fantastische Welt von Oz“ eine Promosingle namens „Almost Home“ veröffentlichte.

Man darf nicht unterschätzen welchen Stellenwert das Oz-Universum in den USA hat. So wie wir hier unsere Gebrüder Grimm von Kind an kennen, wächst man dort mit dem farbenprächtigen Musical mit Judy Garland in der Hauptrolle auf. Unzählige Hommagen an „Der Zauberer von Oz“ – unter anderem auch eine komplette Scrubs-Episode (Mein Weg nach Hause, Staffel 5, Episode 7) – belegen das.

Wish I Was Here

Im darauffolgenden Jahr kam wieder ein Streich von Zach Braff, wofür ich persönlich ihn sehr schätze: Drehbuch, Regie und Hauptrolle. Alles von ihm bzw. mit ihm besetzt. Mit Wish I was Here erzählt Zach Braff eine eher ungewöhnliche Story über den 35-jährigen Aidan, der alles andere als erfolgreich versucht Schauspieler zu sein und von seinem Leben im Endeffekt angeödet ist. Wenig konventionell erzieht er seine Kinder und stößt so auch immer wieder mit seinem Vater zusammen, der schwer krank ist und im Verlauf des Films gesundheitlich immer weiter abbaut. Im Film nimmt das Judentum einen großen Platz ein, denn Zach Braff selbst ist Jude, auch wenn er in einem Interview mal sagte, der er für Religion wohl nicht geschaffen sei. Der Film zeigt einen Antihelden, der alles versucht, es allen gerecht zu machen und doch daran scheitert.

Hinter Radical Face verbirgt sich das Soloprojekt von Ben Cooper, der Mitglied der Band „Electric President“ ist. Mit Radical Face verfolgt er seine persönliche Vorliebe für klassische Singer/Songwriter Produktionen und hat seit 2007 4 Alben und 6 EPs veröffentlicht.

Mit „The Family Tree“, von dem auch das Stück „The Mute“ stammt, erzählt er in einem Albenzyklus aus dem Leben einer Familie und er hatte ursprünglich Bedenken, dass er nicht genug Material für ein ordentliches Album zusammen bekäme. Letztlich wurden es aber drei Alben mit den Untertiteln The Roots, The Branches und The Leaves, die von 2011 bis 2016 erschienen. Hier hört man auch wieder Zach Braffs Vorliebe für leise Töne von der akkustischen Gitarre.

Bullets Over Broadway (Musical)

Ein Film aus dem Jahr 1994 von Woody Allen. Der geneigte Hörer hat vielleicht schon gemerkt, dass wir uns hier eigentlich chronologisch durch das Leben von Zach Braff bewegen und schon viel weiter waren als 1994. Und Zach Braff spielt im Film auch gar nicht mit. Aber er spielt in der Musical-Adaption des Films mit, auch geschrieben von Woody Allen. Braff spielt hier David Shayne, der im Film von John Cusack verkörpert wurde. Film und Musical erzählen die Geschichte von Shayne, einem jungen Drehbuchautor, der es endlich schafft sein Stück „Gott unserer Väter“ auf die Bühne am Broadway zu bringen. Finanziert wird das Stück von einem Gangster-Boss, der wiederum seine talentlose Freundin als Hauptrolle unterzubringen. Und so beginnt ein Tet-a-tet mit so ziemlich jedem, der im Film und im Musical etwas zu sagen hat.

Woody Allen setzt seinen Film von 1994 20 Jahre später als Bühnenmusical um. Wie im Film gibt es im Musical nur Musik aus den 20er und 30er Jahren und ist dabei natürlich Allen-typisch sehr Jazz-lastig.

Das Musical brachte es auf 156 Broadway-Aufführungen und war auch vielfach für Preise nominiert, ging aber zumindest beim Tony Award – das Musical-Pendent zum Oscar – leer aus.

Es war ein Kindheitstraum von Zach Braff überhaupt einmal in einem Musical mitwirken zu dürfen, was wohl auch ein Grund für die Musicalepisode von Scrubs war. Dass er für sein Gesangsbühnendebüt von Woody Allen ausgewählt wurde und dann auch noch im altehrwürdigen St. James Theater – New Yorks älteste Broadway-Bühne – auftreten durfte, war nach seinen eigenen Angaben einfach nur ein surreales Erlebnis.

Musikvideos

Braff hat vor allem in seinen eigenen Filmproduktionen ein gutes Händchen für eine Musikauswahl abseits des Mainstreams bewiesen und hat dieses Talent eine Zeit lang auch in die Produktion von Musikvideos einfließen lassen. Neben „Superman“, dem Titelsong von Scrubs, hat er unter anderem auch Videos von Joshua Radin produziert, der in fast jedem Werk von Zach Braff zu finden ist.

Gavin DeGraw’s „Chariot“
Joshua Radin’s „Closer“and „I’d Rather Be With You“
Cary Brothers‘ „Ride“
Lazlo Bane’s „Superman“

Da Braffs Musikauswahl schon oft dazu geführt hat, dass unbekannte oder vergessene Künstler einen Karriereschub erleben, spricht man mittlerweile auch vom Zach Braff Effekt.

Deswegen funktioniert eine Musiksendung über Zach Braff nicht ohne Musik von Joshua Radin, der durch Braffs Entdeckung vor allem in Serien immer wieder zu hören ist. 2006 sagte Braff über Radin, dass es einfach die großartigste Musik sei und er wie ein neuer Paul Simon wäre. Man hört Radins Musik beispielsweise auch regelmäßig in Cougar Town oder Greys Anatomy, da sie sehr emotional ist und gerade in ruhigen Momenten immer zu passen scheint.

Going in Style

Der letzte Film in unserer Reihe ist brandaktuell: GOing in Style oder eben Abgang mit Stil. Hier führte Braff Regie und in dieser Komödie, besetzt mit Morgen Freeman, Michael Caine und Alan Arkin, geht es um drei Rentner, die eine Bank ausrauben wollen, nachdem ihre Betriebsrente flöten geht. Der Film begleitet dann die drei bei ihren Vorbereitungen bis hin zum tatsächlichen Überfall auf die Bank. In Nebenrollen sind noch Matt Dillon zu sehen und auch Christopher Lloyd, der geradezu grandios spielt. Abgang mit Stil basiert auf dem Film Die Rentner-Gang von 1979, aber außer dem Namen, zumindest im Original und den drei Rentnern, haben die Filme nicht mehr viel gemeinsam, denn in der Originalversion sterben zwei der drei Protagonisten und der Überlebende wird erwischt und sitzt im Gefängnis. Wie die Neufassung ausgeht, wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Der Song „Can I Kick It“ wurde 1989 aufgenommen und produziert, aber erst 1991 offiziell veröffentlicht. Er wird von dem Intro-Sample von Lou Reeds „Walk on the Wild Side“ getragen und angeblich war es auch Lou Reed, der sämtliche Einnahmen an den Song einstrich, nachdem dieser mit juristischen Konsequenzen drohte. Dabei hätte man die Einnahmen einfach durch 6 teilen können, da neben Reed auch Samples aus 4 weiteren Songs verwendet wurden, und A Tribe Called Quest einfach ein Sechstel für den Rest behalten hätte.

Der gesungene Dialog „Can I Kick It? Yes you can“ wurde später von Robbie Williams in seinem Hit „Rock DJ“ verwendet.

Chicken Little

Auch gibt Zach Braff seine Gesangesstimme zum besten und singt den Refrain von „We are the Champions“.

Zach Braff hat eine Tendenz Leute immer und immer wieder in seinen Filmen unterzubringen. So ist beispielsweise Michael Weston, der auch mal Mitbewohner von Braff war, in allen seinen Filmen und auch Scrubs zu sehen auch wenn dieser tendenziell immer eine eher kleine Rolle spielt. Und auch Jim Parsons spielt in Garden State und I wish I was here an seiner Seite.

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