Jerry Goldsmith Nachschlag

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Gremlins

Kommen wir direkt mal zum ersten Film und wir sind im Jahr 1984 und bei einer Fantasy-Horror-Komödie. Der erste Teil der Gremlins Reihe. Und wer jetzt denkt, dass ihm die Außenaufnahmen von Kingston Fall irgendwie bekannt vorkommen, der hat recht. Das Set für die Stadt ist mit dem von Zurück in die Zukunft identisch. Die beiden Filmreihen teilen sich aber kein Serien- bzw. Filmuniversum, sondern lediglich die Außenstudios von Universal.
Ein Studio Executive soll sich bei Steven Spielberg, Produzent, und Joe Dante, Regisseur, beschwer haben, dass zu viele Gremlins im Film zu sehen seien. Spielberg soll daraufhin vorgeschlagen haben, alle Gremlins aus dem Film rauszuschneiden und den Film umzunennen in People.

Gizmo, der kleine süße pelzige Gremlin war übrigens die Vorlage für Furby, falls sich jemand noch an diese durchaus nervigen Dinger erinnert. Nah genug dran, um es zu erkennen, weit genug weg davon, um keine Klage wegen Urheberrechten zu bekommen.

6 Jahre später kam dann Gremlins 2 in die Kinos. Ebenfalls ein schöner Erfolg. Und in 2021 soll eine Animationsserie rauskommen, die ebenfalls auf diesem Film aufbaut.

So wie der Film ist auch die Musik ein wenig schräg. Goldsmith nutzt in Gremlins 3 Themes, die er ständig miteinander verknüpft. Zum einen ist da das Theme von Gizmo: Sehr harmonisch, aber minimal durch einen Synthiziser verzerrt. Dann der Grmelins Rag: seltsam fröhlich, aber auch stärker verzerrt als das Gizmo Theme. Und dann das Mrs. Deagle Theme, das nahezu komplett ohne Synthisizer auskommt. Man merkt, das Goldsmith die Kreaturen vor allem durch die Instrumentierung von den Menschen trennen wollte, nutzt aber nach wie vor die Melodien, um den Figuren Charakter zu geben.

Total Recall

Der Schwarzenegger in einer Rolle mit mehr Wörtern als bei Terminator. In Total Recall sehen wir ihn zusammen mit einer jungen Sharon Stone. Paul Verhoeven führte hier Regie und war von der Leistung Stones so sehr beeindruckt, dass er ihr die Rolle in Basic Instinct anbot. Und damit startete ihre Karriere so richtig durch.

Der Film basiert auf der Kurzgeschichte „Erinnerungen en gros“ von Philip K. Dick. Allerdings eher lose, da es viele Änderungen gab. Mit über 65 Millionen US – Dollar war der Film für damalige Verhältnisse sehr teuer. Der Aufwand hat sich aber gelohnt, denn der Film nahm 260 Mio Dollar ein.

Der Film war von 1991 bis 2011 in Deutschland indiziert, auf Grund der drastischen Gewaltdarstellungen. Nachdem der Film vom Index genommen wurde, erhielt er eine Altersfreigabe von 16. Das ist auch die Version, die meistens in Fernsehen ausgestrahlt wird. Und die ursprüngliche Version des Films war noch brutaler und musste, um in den USA überhaupt ein Rating zu bekommen, ebenfalls gekürzt werden. Die unbearbeitete Fassung ist nie erschienen und es gibt auch keine Pläne dafür.

Der Soundtrack zu Total Recall ist genau das, was man von Jerry Goldsmith erwartet, wenn er einen Science Fiction Action Film vertonen soll. Wir haben ein volles Orchester, heroische Streicher, fanfarenartige Blechbläser und einen treibenden Rhythmus. Er verzichtet trotzdem nicht auf elektronische Effekte und sorgt mit dezenten sphärischen Klängen für das nötige Gefühl auf einem anderen Planeten zu sein.

Eric Brevig und Rob Bottin erhielten bei der Oskar-Verleihung 1991 für die visuellen Effekte einen Special Achievement Award. Ganz ohne Nominierung und außerhalb der Reihe.

Die Mumie

1999 kam dann Die Mumie ins Kino mit Brandon Fraser in der Hauptrolle. Übrigens ein klasse Kandidat für eine Folge Was macht eigentlich.
Der Film ist mehr oder weniger ein Remake des Films mit gleichen Namen von 1932, ebenfalls von Universal Studios.

Der Film spielt in Ägypten, wurde dort aber nicht gedreht, weil den Produzenten und dem Studio die politische Lage im Land zu instabil war. Stattdessen drehte man in Marokko.

Bei der Premiere des Films ging die Filmrolle kaputt und manche Schauspieler scherzten, der Film sei wohl verflucht. So ganz stimmt das nicht, denn er war ein großer Erfolg und angeblich wurde am Tag NACH der Premiere in den Kinos die Fortsetzung besiegelt. Dieser kam dann 2001 in die Kinos.

Mit Die Mumie führt uns Goldsmith auf’s akustische Glatteis. Er schafft es mit weichen Klängen eines klassischens Orchesters eine romantische Illusion des Nahen Ostens zu schaffen, wie es westliche Ohren erwarten würden. Tatsächlich bedient er sich aber der Klangwelt der 1000 und Eine Nacht Filme der 50er und 60er Jahre, die klassischerweise in und um Bagdad spielen und wenig mit der Kultur von Ägypten zu tun haben. Die Musik hat großen Anteil daran, dass diese Komödie gruseliger wirkt, als sie eigentlich ist.

Bevor Brandon Fraser die Hauptrolle bekam, war Sylvester Stallone im Gespräch. Er lehnte ab. Auch Tom Cruise soll vorgesprochen haben, wurde aber vom Studio abgelehnt. 2017 war dann Tom Cruise im Reboot des Films zu sehen.

First Knight

Sean Connery, Richard Gere und Julia Ormond sind die Stars der ersten Ritters. Also so heißt der Film. Dieser kam 1995 in die Kinos und wir hätten beinahe Mel Gibson in der Hauptrolle gesehen, der hat dann aber Braveheart gemacht. Der ist auch aus 1995.

Eigentlich hätte hier Maurice Jarre die Musik komponieren sollen. Er hat aber abgelehnt, weil er es nicht für machbar hielt. In 4 Wochen 90 Minuten Filmmusik zu schreiben. Ist jetzt auch nicht so ganz einfach, das muss man zugeben. Jerry Goldsmith ist dann eingesprungen und hat es in sogar weniger Zeit geschafft. Der Soundtrack zum Ersten Ritter gilt als einer der besten Soundtracks seiner Karriere.

Goldsmith bietet hier wenige Überraschungen. Er übernimmt die Regeln der klassischen Mantel- und Degenfilme, indem er die Fanfaren die Welt der Ritter definieren lässt und in den romantischen Sequenzen Streicher einsetzt, die von Solo Holzbläsern wie Flöte oder Klarinette unterstützt werden. Dennoch schafft er aus auch oder gerade hier ein einfaches Thema einzusetzen, dass je nach Interpretation die Dreiecksbeziehung zwischen Artus, Lancelot und Guinivere perfekt widerspiegelt und mit einem einsetzenden Chor im emotionalen Höhepunkt gipfelt.

Rambo

Für Sylvester Stallone hat der gute Goldsmith auch gearbeitet. Unter anderem eben für Rambo aus dem Jahr 1982. In der ersten Fassung war der Film über 3 Stunden lang und Stallone fand ihn so furchtbar, dass er darüber nachdachte, den Film zurückzukaufen und NIE zu veröffentlichen. Die Kinoversion wurde auf 93 Minuten runtergeschnitten und damit war dann Stallone zufriedener. Dass es dem Franchise nicht geschadet hat, kann man wohl als gesetzt sehen.

Viele wollten im Film gar nicht mitspielen und schon gar nicht in der Hauptrolle, denn er war den meisten zu gewalttätig. Dustin Hoffmann zum Beispiel lehnte ab. Und auch Terence Hill. Und was meinst du, wie viele Leute sterben in dem Film? Einer! Alle anderen überleben, wenn auch schwer verletzt. In einer der ersten Versionen des Skripts, von dem es angeblich 26 gab, waren es noch 18 Personen, die durch Rambo dran glauben müssen.

Die Musik zu Rambo gehört zu den markanteren Werken von Goldsmith. Er nutzt die Musik, um John Rambo eine zusätzliche Dimension zu geben. Der sehr ruhige Titelsong, der anfangs nur mit einer akkustischen Gitarre und eine Solotrompete zu hören ist, mutiert im Laufe des Films immer mehr zu einem Kampfthema. Goldsmith fügt asiatische Tonfolgen ein und ergänzt diese mit militärischen Blechbläsern, wodurch Rambos Hintergrund als Vietnam Veteran unterstrichen wird. Am Ende des Films ist vom anfänglichen Thema fast nichts mehr übrig und steht im harten Kontrast zum Abspann, in dem das ursprüngliche friedliche Thema wieder zu hören ist.

Und inzwischen gibt es 5 Rambo Filme und decken einen Zeitraum von (Rambo 1982 – Rambo II 1985 – Rambo III 1988 – John Rambo 2008 – Rambo Last Blood 2019) 37 Jahren ab. Nur Rocky in denen Stallone ja auch die Hauptrolle spielt, deckt einen größeren Zeitraum ab.

Psycho 2

Wir bleiben in den 1980er und kommen zur Fortsetzung eines Horror-Klassiker: Psycho 2 in der Anthony Perkins wieder Norman Bates porträtiert. Der erste Teil ist von 1960 und in einer Szene ist ja eine Reflexion des jungen Bates zu sehen. Hierfür wurde der Sohn von Anthony Perkins herangezogen, um das zu tun.

Das Haus ist dasselbe Haus aus dem ersten Film und wurde wiederverwendet. Das Hotel musste neu gebaut werden. Und wo wir gerade bei Sets sind: Die Stadt Fairville aus Psycho 2 sieht an der einen oder anderen Stelle einer anderen Stadt verblüffend ähnlich: Kingston Falls aus Gremlins, den hatten wir heute schon, und eben auch Hill Valley aus Zurück in die Zukunft. Und wir sind wieder im Hinterhof der Universal Studios.

Jerry Goldsmith war für diesen Film nur die zweite Wahl. Die erste Wahl fiel nämlich auf John Williams, der die Musik dann aber bekannterweise nicht komponiert hat.

Mit der Musik von Psycho 2 ist Goldsmith etwas grandioses gelungen. Er hat es geschafft die Klangwelt des Originals mit allen Harmonien und Disharmonien in die Gegenwart bzw. in die 80er Jahre zu transportieren, schafft aber trotzdem neue Themen für alle Beteiligten, insbesondere für Norman Bates. Psycho 2 schafft es auch nach fast 40 Jahren, dass ich innerhalb der ersten Minuten ein Gänsehaut bekomme – nur von der Musik.

The Omen

Das Omen… also der Film und nicht die Musik. Also schon die Musik, aber nicht die aus den 90er von Magic Affair. So, haben wir das auch geklärt.

Gregory Peck nahm die Rolle etwas überraschend an, denn eigentlich hatte er davor gesagt, dass er mit der Schauspielerei aufhören wollte. Und nachdem er zugesagt hatte, kamen weitere Schauspieler mit an Bord, die alle vorher gezögert hatten.
Auch war die Entwicklung des Drehbuchs etwas schwierig, denn auch hier wollten viele auf Grund des Film-Themas nicht daran arbeiten.
Der Film war recht erfolgreich und hat zwei direkte Fortsetzungen hervor gebracht. 1991 folgte dann ein vierter Film, der direkt im Fernsehen ausgestrahlt wurde. 2006 gab es dann eine Neuverfilmung und in 2016 gab es die Serie Damien, die thematisch direkt an den Film anschließt.

Die mehrfach ausgezeichnete Musik hat alles, was man von einem Horrorfilm mit dämonischen Thema erartet. Es gibt einen düsteren chor, viele Dissonanzen, die ganz klar von Psychos Duschszene beeinflusst sind und immer wieder einsame Pianoklänge gepaart mit unangenehmen Streichern und Echoeffekten, die einem unter die Haut kriechen.

Für Das Omen hat Jerry Goldsmith übrigens seinen einzigen Oskar bekommen.

Poltergeist

Und zum Abschluss gibt es noch einen Horror-Film bzw. ein Franchise: Poltergeist. Auch hier gibt es drei Filme. Tobe Hooper führt Regie, Steven Spielberg hat am Drehbuch geschrieben und auch produziert. Und genau diese Mischung lässt immer wieder Fragen aufkommen, wer eigentlich Regie führte. Spielberg soll so gut wie jeden Tag am Set gewesen sein und Hooper hatte angeblich bei großen Teilen der Postproduktion, also unter anderem Schnitt und Filmmusik, kein Mitspracherecht. Und auch der Film Editor, also derjenigen der den Film schneidet, war ein Vertrauter von Spielberg.

Geschadet hat es ja offensichtlich nichts, denn der Film und seine Fortsetzungen waren ja erfolgreich. Und auch hier gab es 2015 eine Neuverfilmung.

Es gibt immer wieder die Rede vom Poltergeist-Fluch. Angestachelt durch Erzählungen über merkwürdige Ereignisse am Set oder auch in der Post-Produktion halfen dabei, einen Mythos aufzubauen. Leider Tatsache ist, dass Dominique Dunne, die im Film die Dana spielt noch im Erscheinungsjahr von ihrem Freund ermordet wurde.

Jetzt kann man sich ja streiten, ob Spielberg hier Regie geführt hat oder nicht, aber produziert hat er den Streifen. Und damit ist es einer der wenigen Filme von ihm, die nicht von John Williams vertont wurden.

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