Nachschlag Oscars 2018

Playlist

Sufjan Stevens – Mystery of Love (Call me by your Name)
Christopher Nolan – Dunkirk Soundtrack
Miguel – Remember Me (Coco – Lebendiger als das Leben)
John Williams – Star Wars: The Last Jedi Soundtrack
Andra Day – Stand up for something (Marshall)
Jonny Greenwood – Phantom Thread Soundtrack
Mary J. Blige – Mighty River (Mudbound)
Alexandre Desplat – The Shape of Water Soundtrack
Keala Settle & The Greatest Showman Ensemble – This is me (The Greatest Showman)
Carter Burwell – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri Soundtrack

„Mystery Of Love“ aus Call Me by Your Name // Bester Song

Regie: Luca Guadagnino
Mit: Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg
Nominierungen:
– Best Performance by an Actor in a Leading Role: Timothée Chalamet
– Best Adapted Screenplay
– Best Motion Picture of the Year
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Song)

Bei der Premiere des Films beim New York Filmfestival erhielt der Film 10 Minuten Standing Ovations. So lange gab es das beim New York Filmfestival noch nie.

Der Film wurde weitestgehend in chronologischer Reihenfolge gedreht, ausschließlich mit einer 35mm Linse.

Die beiden Hauptdarsteller mussten keinen sogenannten Chemistry Test machen, denn der Regisseur glaubt nicht an solche Tests. Bei beiden kamen aber sehr gut miteinander klar und haben auch hinter der Kamera sehr viel Zeit miteinander verbracht.

Sufjan Stevens ist ein amerikanischer Singer/Songwriter, der seit 2000 professionell Musik macht. 2005 hatte er in den USA mit dem Album „Illinois“ einen kleinen Durchbruch, ist aber hauptsächlich abseits des Mainstreams unterwegs.

Regisseur Guadagnino wollte für seinen Film eine Art musikalischen Erzähler haben und wünschte sich Stevens für diesen Job, doch dieser lehnte ab und schrieb statt dessen anhand des Drehbuchs, der literarischen Vorlage und Gesprächen mit dem Regisseur 3 Songs. Kurz vor Drehbeginn konnte Guadagnino die Songs hören und war so begeistert, dass er sofort die Hauptdarsteller dazu geholt hat, damit ihnen die
Stimmung des Films klar ist. Call me by Your Name ist Stevens erste Arbeit für die Filmbranch

Dunkirk // bester Soundtrack

Regie: Christopher Nolan
Mit: Fionn Whitehead, Barry Keoghan, Mark Rylance, Tom Hardy, und Kenneth Branagh
Nominierungen:
– Best Achievement in Film Editing
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Score)
– Best Achievement in Sound Editing
– Best Motion Picture of the Year
– Best Achievement in Directing
– Best Achievement in Cinematography
– Best Achievement in Sound Mixing
– Best Achievement in Production Design

Das Drehbuch ist angeblich nur 76 Seiten lang gewesen. Wäre es nach Nolan gegangen, wäre der gesamte Film eine große Improvisation.

Über 1000 Statisten kommen im Film vor.

Christopher Nolan arbeitet ja gerne mit Leuten, die er kennt. So ist das die dritte Zusammenarbeit mit Tom Hardy, die zweite Zusammenarbeit mit dem Kameramann und die sechste Zusammenarbeit mit Hans Zimmer.

Der Produktionstitel des Films war „Bodega Bay“.

Obwohl Hans Zimmer mit fast 140 Scores unter anderem für Rain Man, Pearl Harbor, Gladiator, Inception oder 12 Years A Slave zu den bekanntesten aktiven Filmkomponisten gehört, hat er bisher erst einen Oscar für „König der Löwen“ bekommen. Dunkirk ist seine 11. Nominierung. Er ist der Haus und Hofkomponist von Christopher Nolan.

Für die Musik von Dunkirk hat Zimmer 11 Monate gebraucht. Er verzichtete dabei auf jegliches Filmmaterial und hat sich lediglich von Set ein Glas mit Sand mitgenommen. Als Basis diente hauptsächlich die Aufnahme eines Schiffsmotors, die den Rhythmus vorgab. Dazu kommt der Einsatz der Shepard-Skala, mit der eine akkustische Illusion einer stetig ansteigenden Tonsequenz geschaffen wird. Diesen Effekt hat er schon bei The Pledge eingesetzt und findet auch bei den Soundtracks von Inception und Interstellar Verwendung. Für Dunkirk koppelt Zimmer diesen Effekt mit einer verzerrten Aufnahme von Christopher Nolans Taschenuhr.

„Remember Me“ aus Coco (Coco – Lebendiger als das Leben) // Bester Song

Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina
Mit: Anthony Gonzalez, Gael García Bernal, Benjamin Bratt
Nominierungen:
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Song)
– Best Animated Feature Film

Spielte in nur 5 Tagen mehr als 150 Mio USD ein. Bis Februar waren es dann schon 700 Mio USD. Das Budget für den Film war ca. 200 Mio USD.

Im Film selbst sind mehre Pinatas zu sehen, in Form von Pixar Charakteren, beispielsweise Buzz Lightyear und Woody aus Toy Story, oder Mike Wazowski aus Monster AG.

„Remember Me“ ist das Kernstück des animierten Musicals und ist in verschiedenen Versionen und Stimmungen zu hören. Die nominierte Version ist der Popsong aus dem Abspann. Die Herausforderung war es eine musikalische Basis zu schaffen, dessen Songtext je nach Szene eine andere Interpretation zulässt.

Miguel, der nicht die Synchronstimme des gleichnamigen Hauptcharakters des Films ist, ist seit 2007 im
Geschäft und wird gelegentlich mit Größen wie Prince verglichen. Der spanische Teil wird von Natalia Lafourcade gesungen, die als Mexikanerin eine der erfolgreichsten Pop- und Rocksängerin Lateinamerikas ist.

Das Ehepaar Anderson-Lopez hat schon Oscarerfahrung und bereits für „Let It Go“ aus „Frozen/Die Eiskönigin“ die Auszeichnung erhalten. Zudem ist Robert Lopez doppelter Rekordhalter in Sachen Filmmusikauszeichnungen. Er ist der Jüngste von insgesamt nur 12 Personen, der einen Emmy, einen Grammy, einen Oscar und einen Tony Award gewonnen hat, und das über den bislang kürzesten Zeitraum von nur 10 Jahren.

Star Wars: The Last Jedi (Die letzten Jedi) // Bester Soundtrack

Regie: Rian Johnson
Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Mark Hamill, Adam Driver, Oscar Isaac und Carrie Fisher
Nominierungen:
– Best Achievement in Visual Effects
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Score)
– Best Achievement in Sound Editing
– Best Achievement in Sound Mixing

Daisy Ridley brachte Ihren Vater mit ans Set nach Irland zu den Inseln, auf denen mit Mark Hamill gedreht wurde. Ihr Vater fragte dann auch Mark Hamil, wen er denn spiele. Ridley ist sich nicht sicher, ob es ein Scherz war.

Der erste Schnitt des Films war über 3 Stunden lang. Es wurde also eine ganze Menge rausgeschnitten, um bei den 2,5 Stunden zu landen.

Der Produktionstitel des Films war Space Bear

„Stand Up For Something“ aus Marshall // Bester Song

Regie: Reginald Hudlin
Mit: Chadwick Boseman, Josh Gad, Kate Hudson, Dan Stevens und James Cromwell
Nominierungen:
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Song)

Andra Day ist eine Entdeckung von Stevie Wonder, die bereits mit Ihrem ersten Album 2016 für die beste RnB Performance und das beste RnB Album für den Grammy nominiert war. Co-Singer und Co-Writer Common ist als Songwriter, Schauspieler, Dichter, Hip Hop Künstler und Produzent unterwegs. Als Schauspieler kennt man ihn vielleicht als Monster T aus Suicide Squad.

Am interessantesten ist tatsächlich die Songwriterin Diane Warren, die schon für Künstlerinnen wie Beyonce, Cher, Whitney Houston, Lady Gaga und Christina Aguilera, aber auch Bands wie Bon Jovi, NSYNC, Aerosmith und Bad English Songs geschrieben hat. 9x Nummer 1 und weitere 32x Top 10 allein in den USBillboardcharts sind dabei ihre Erfolgsquote. Dazu kommt jetzt die 9. Oscar-Nominierungen und 5 Golden
Globe Nominierungen seit 1986, wovon sie bisher allerdings nur einmal den Globe gewann.

Phantom Thread (Der seidene Faden) // Bester Soundtrack

Regie: Paul Thomas Anderson
Mit: Vicky Krieps, Daniel Day-Lewis, Lesley Manville
Nominierungen:
– Best Performance by an Actor in a Leading Role: Daniel Day-Lewis
– Best Performance by an Actress in a Supporting Role:Lesley Manville
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Score)
– Best Achievement in Costume Design
– Best Achievement in Directing
– Best Motion Picture of the Year

Der letzte Film von Daniel Day-Lewis, da dieser im Juni 2017 ankündigte, keine Filme mehr drehen zu wollen.

Im Trailer werden Szenen verwendet, die im Film nicht mehr zu sehen sind. Damit setzt Anderson eine Tradition fort, die er seit mehreren Filmen anwendet. 

Johnny Greenwood ist ein englischer Vollblutmusiker, der mehrere Instrumente spielt und ganz nebenbei Leadgitarrist und Keyboarader der Kultband Radiohead ist. Er ist Prgrammierer und schreibt sich seine eigene Software, mit der er seine Musik bearbeitet. Seit 2003 widmet sich Greenwood neben Radiohead auch seiner Solokarriere, komponiert klassische Konzerte und macht eben auch Musik für den Film, unter
anderem für The Master mit Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman.

Die Musik für Phantom Thread ist sehr klassisch, verzichtet gänzlich auf Blasinstrumente und beschränkt sich fast ausschließlich auf Streicher, die von einem Piano und gelgentlich von einer Harfe unterstützt werden. Greenwood setzt sehr zurückhaltend auch Soundeffekte wie Hall und Verzerrer ein, bleibt aber die meiste Zeit konventionell. Phasenweise erinnert der Soundtrack an Filmmusik der 50er und 60er Jahre im Stile von Bernard Herrmann.

„Mighty River“ aus Mudbound // Bester Song

Regie: Dee Rees
Mit: Carey Mulligan, Garrett Hedlund, Jason Clarke und auch Mary J. Blige
Nominierungen:
– Best Performance by an Actress in a Supporting Role: Mary J. Blige
– Best Adapted Screenplay
– Best Achievement in Cinematography: Rachel Morison
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Song)

Rachel Morison ist die erste Frau, die in der Kategorie Beste Kamera nominiert wurde.

Mary J. Blige ist bereits seit 1989 im Geschäft und als Sängerin, Songwriterin, Produzentin und Schauspielerin tätig. Sie hat die seltene Möglichkeit des Oscar als Songwriterin, Sängerin und als Schauspielerin zu gewinnen, da sie ebenfalls für die beste weiblichen Nebenrolle nominiert ist.

Raphael Saadiq ist bekannt als der letzte Mann, der die Fahne für Old School RnB hochhält. Er schreibt, singt und produziert seit 1983 und beherrscht neben dem Gesang auch die Bassgitarre, Gitarre und das Piano. 2015 war Produzent der Studioalben der ebenfalls nominierten Andra Day und Miguel fungiert und arbeitet schon seit längerem immer wieder mit Mary J. Blige an gemeinsamen Projekten.

The Shape of Water (Das Flüstern des Wassers) // Bester Soundtrack

Regie: Guillermo del Toro
Mit: Sally Hawkins, Octavia Spencer, Michael Shannon , Richard Jenkins
Nominierungen:
– Best Achievement in Directing: Guillermo del Toro
– Best Motion Picture of the Year
– Best Performance by an Actress in a Leading Role: Sally Hawkins
– Best Performance by an Actor in a Supporting Role: Richard Jenkins
– Best Performance by an Actress in a Supporting Role: Octavia Spencer
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Score)
– Best Original Screenplay
– Best Achievement in Cinematography
– Best Achievement in Costume Design
– Best Achievement in Sound Editing
– Best Achievement in Sound Mixing
– Best Achievement in Film Editing
– Best Achievement in Production Design

Guillermo del Toro arbeitete seit 2011 an dem Film und hat diesen auch teilweise selbst finanziert.

Der Film wurde bei den Toronto Filmfestspielen im Elgin Theatre gezeigt. Das Elgin Theatre wurde im Film ebenfalls verwendet. Die Zuschauer saßen also im selben Theater, das sie auch auf der Leinwand sahen.

Lehnt man sich zu weit aus dem Fenster, wenn man den Film als indirekte Fortsetzung von „Das Wesen aus der schwarzen Lagune“ bezeichnet? Musikalisch ist es in jeder Hinsicht eine Hommage an diesen Klassiker.

Alexandre Desplat, der schon einen Oscar für The Grand Budapest Hotel und weitere 8 Nominierungen auf dem Konto hat, nimmt die Stimmung des Films aus den 50ern, bringt in den heiteren Stücken ein paar typisch französische Chansan-Elemente ein, und bleibt dabei weitestgehend klassisch mit pompösen Orchester und leisen Pianostücken. Im Soundtrack taucht auch immer wieder eine Dreitonfolge auf, die man
in der Filmmusiksprache unbewusst mit tiefem, ruhigen Wasser in Verbindung bringt.

„This Is Me“ aus The Greatest Showman // Bester Song

Regie: Michael Gracey
Mit: Hugh Jackman, Michelle Williams, Zac Efron, Rebecca Ferguson, Zendaya
Nominierungen:
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Song)

Der Film ist ein Original Musical, das heißt, es gibt keine Vorlage und alles wurde direkt für diesen Film geschrieben. Damit lässt sich wahrscheinlich auch erklären, warum der Film seit 2009 in der Entwicklung war. Seit damals war Hugh Jackman in der Titelrolle gesetzt.

Der Song stammt aus der Feder des Schreiberduos Pasek and Paul, die bereits im vergangenen Jahr den Oscar für den besten Original Song „City of Stars“ aus La La Land abräumten. Neben diesem ersten Oscar gab es in der Vergangenheit hauptsächlich Preise für Bühnenmusicals und auch eine Tony-Nominierung sprang schon dabei heraus.

Keala Settle ist eigentlich eine reine Bühnendarstellerin und hat schon in vielen großen Broadway-Produktionen mitgespielt. Ihr bisher größter Erfolg war die Darstellung der Norma Valverde in „Hands on a Hardbody“, für die sie unter anderem eine Tony-Nominierung erhielt. In „The Greatest Showman“ spielt sie die bärtige Dame und stellt die einzige Nominierung für den Film.

Der Song konnte sich als Single weltweit in den Top 100 platzieren (in Deutschland Platz 55) und im Dezember 2017 wurde eine zweite Version, gesungen von Kesha, veröffentlicht, die aber nur in Australien in die Charts rutschte.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri // Bester Soundtrack

Regie: Martin McDonagh
Mit: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell
Nominierungen:
– Best Motion Picture of the Year;
– Best Performance by an Actress in a Leading Role: Frances McDormand;
– Best Performance by an Actor in a Supporting Role: Sam Rockwell;
– Best Performance by an Actor in a Supporting Role: Woody Harrelson;
– Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Score),
– Best Original Screenplay,
– Best Achievement in Film Editing

Carter Burwell macht seit 1984 Filmmusik und hat dabei bereits 20 mal mit den Cohen Brüdern gearbeitet und unter anderem die Musik für Hail Caesar, No Country For Old Man und The Big Lebowski geschrieben.

2015 war er für die Filmmusik von „Carol“ einmal nominiert, gewonnen hat er ihn bisher noch nicht. Auch wenn Carter Burwell nur grob 20 Minuten Musik zum Film beisteuert, ist es doch bemerkenswert, wie sehr der Film durch sie geprägt ist. Als er mit der Arbeit begann, hatte er Schwierigkeiten die richtige Stimmung zu treffen, wurde dann aber durch das Kostümdesign inspiriert, durch das ihm klar wurde, dass
die Charaktere zwar immer sie selber sind, aber untereinander verschiedene Rollen einnehmen. Das führte ihn zu der Musik von Ennio Morricone, wie er sie in den Spaghettiwestern verwendete. Die Stücke charakterisieren in erster Linie die Figuren, unabhängig von der Szene, und bleiben auch bei wechselnden Beziehungen bei ihrer Signatur. Mit dezenter Orchesterunterstützung bleibt die Musik immer mit einem Fuß im Country oder Westernstil, vor allem weil immer wieder wieder eine harte akkustische Gitarre, ein Banjo
oder typische Perkussions eingesetzt werden.

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