Nachschlag 2001

Playlist:

Richard Strauss – Also Sprach Zarathustra
György Ligeti – Atmosphères (verwendet als Overtüre)
Johann Strauß – An der schönen blauen Donau
Franic Travis – Jupiter and Beyond
György Ligeti – Lux Aeterna
Aram Chatschaturjan – Gayaneh Ballett Suite
Alex North – Moon Rocket Bus
Alex North – Trip to Moon
Alex North – Space Station Docking

Der Film und seine Hintergründe

Eine Jahreszahl gibt dem Film seinen Titel und dieser Film wird dieses Jahr 50. Mit ein Grund, warum sich heute alles um einen dreht: 2001 Odysee im Weltraum. 2001: A Space Odysee wie der Film im Origianl heißt, ist von 1968, also mitten in der Zeit von Captain Kirk und Star Trek.

Die Dreharbeiten begannen bereits im Jahr 1965, also eigentlich noch vor Captain Kirk. Zu diesem Zeitpunkt waren die UdSSR bereits im Weltall und die Raketen der USA explodierten beim Start. Für niemanden sah es zu diesem Zeitpunkt nach einer raumfahrenden US Großmacht aus.

Präsident Kennedy hatte 1962 angekündigt, bis 1970 US Raumfahrer auf den Mond zu schicken, nicht weil es einfach sei, sondern weil es schwer sei. Im Juli 1969 löste er dann dieses Versprechen ein, als die Astronauten Neill Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond betraten.

Stanley Kubrick hat zusammen mit Arthur C. Clarke das Drehbuch geschrieben. Parallel dazu hat Clarke den gleichnamigen Roman verfasst. Änderungen flossen von einem Projekt in das Andere und umgekehrt. Clarke erklärte mal in einem Interview, dass das Drehbuch am ehesten als eine Arbeit von Kubrick und Clarke gesehen werden kann, während der Roman im Gegensatz dazu dann von Clarke und Kubrick sei. Letztendlich wurden im Film dann beide genannt, während das Buch dann nur den Namen von Clarke trägt.

Das Drehbuch selbst basiert auf der Kurzgeschichte THE SENTINEL von Clarke aus dem Jahr 1948.

Handlung

Der Film beginnt mit einem schwarzen Bildschirm. Und dieser bleibt auch schwarz für knapp 3 Minuten. Währenddessen ist nur eine Overtüre zu hören. Bei den Fernsehausstrahlungen wird das heutzutage meist weggelassen und auch sonst gibt es das bei Filmen heute nicht mehr.

Die ersten 20 Minuten zeigt der Film Affen, die in zwei Horden zusammenleben und am Ende bringt der Chef der einen Bande, den anderen Chef um, in dem er ihm mit einem Knochen eins überzieht. Was Stanley Kubrick damit sagen wollte, weiß ich leider nicht.

Danach sehen wir dann wenigstens schon mal ein paar Schauspieler, aber beim Andockmanöver an der Raumstation hören wir „An der schönen blauen Donau“, was dem Film hier definitiv unterstütz.

Das erste gesprochene Wort fällt nach 25 Minuten und ist von einer Stewardes. Lustigerweise kommt ganz am Anfang dann erstmal der Zoll bzw. die Einreise auf der Raumstation, das U.S. Immigration Office ist zu sehen und danach gibt´s erst mal Productplacement. Ein Hilton.

Nach den ersten 25 Minuten, in den wie bereits erwähnt kein Wort gesprochen wird, dreht sich der Film die nächsten 40 Minuten um die Entdeckung des Obelisken auf dem Mond.

Danach macht der Film einen Sprung 18 Monate in die Zukunft und die Geschichte der Jupiter Mission wird erzählt. Im Buch geht die Reise übrigens nicht zu Jupiter, sondern zum Saturn. Aber für den Film konnten die Ringe des Saturn nicht realistisch umgesetzt werden, daher entschied man sich dann für den Jupiter. Hier lernen wir auch HAL 9000 kennen. Er ist ein Supercomputer, der das Schiff steuert und eine Art sechstes Crewmitglied an Bord der Discovery ist.

Erst als HAL 9000 – sagen wir mal – ein wenig durchdreht und durch Dave deaktiviert wird, erfahren wir, dass die Jupiter Mission als direkte Antwort auf den Monolithen vom Mond gilt. Dieser hatte vor 18 Monaten ein schrilles Signal in Richtung des Planeten geschickt.

Nach gut zwei Stunden werden dann die Handlungen zusammengeführt und Dave, alle anderen Crewmitglieder sind übrigens durch HAL umgebracht worden, nimmt direkten Kontakt mit dem Monolithen auf. Um welche Art von Kontaktaufnahme es sich handelt und wer oder was die Aliens sind, wird nicht erklärt. Aber das wäre ja auch zu einfach.

Zum Abschluss ist Dave dann mit seinem Pod, den er vorher übrigens nicht bestiegen hat, in einem möblierten Raum zu sehen. Der Pod ist dann in der nächsten Einstellung weg und Dave wandert für ein paar Minuten hin und her. Wer jetzt verwirrt ist, dem sei gesagt, dass das an dieser Stelle wohl normal ist.

Wir beobachten einen gealterten Dave, der einen noch älteren Dave beim Essen beobachtet, der seinerseits wiederum einen sterbenden Dave im Bett liegen sieht. Schließlich steht der Monolith mitten im Zimmer und danach sieht man ein ungeborenes Baby auf die Erde zu fliegen.

Die letzten 22 Minuten wird im Film dann auch nicht mehr gesprochen. Muss ein dünnes Drehbuch gewesen sein. Insgesamt sind mehr als 88 Minuten im Film ohne Dialoge.

Clarke sagte mal in einem Interview: „Wenn Sie den Film verstanden haben, dann haben wir versagt. Wir wollten mehr Fragen aufwerfen als beantworten.“ Ich würde sagen, dass haben Kubrick und Clarke exzellent umgesetzt.

Schauspieler

Werfen wir einen Blick auf die Schauspieler von 2001. Hier natürlich als aller erstes Keir Dullea, der Dave Bowman spielt. Dullea wurde 1936 in Cleveland, Ohio geboren und spielt immer noch in Filmen und Fernsehserien mit, wenn natürlich auch etwas weniger oft. 2011 war er in Damages zu sehen, 2014 in Space Station 76 und zwischen 2016 und 2018 in immerhin 14 von 36 Folgen der HULU Original Series The Path.

Angeblich musste er für die Rolle des Dave Bowman NICHT vorsprechen, sondern bekam die Rolle von Stanley Kubrick einfach angeboten und er sagte ja. Er und Douglas Rain sind die beiden einzigen Schauspieler, die in 2001 und 2010 vorkommen. Zu dem Film kommen wir aber noch.

Gary Lockwood spielt in 2001 Dr Frank Poole und ist einer von zwei Besatzungsmitgliedern an Bord der Discovery die wach sind. Er wurde 1937 geboren und hat sich seit 2009 aus dem Film- und Fernsehgeschäft zurückgezogen.
Übrigens war Gary Lockwood noch vor 2001 bereits in einer anderen Science-Fiction Produktion zu sehen. Er spielte in einer Folge von STAR TREK mit. 1984 bzw. 1985 spielte er dann erneut an der Seite von William Shatner. In zwei Folgen war er Gaststar in Shatners damaliger Serie T.J. Hooker.

2010 und weitere Fortsetzungen

Der Film 2010 – Das Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen ist ebenfalls aus der Feder von Arthur C. Clarke und eine direkte Fortsetzung von 2001 und erzählt die Geschichte einer Raumschiff Besatzung, die sich auf die Suche nach der Discovery macht.

Arthur C. Clarke hat auch hier wieder am Drehbuch mitgearbeitet, welches er zusammen mit Peter Hyams verfasste. Die Romanvorlage ist auch von Clarke und aus dem Jahr 1982, der Film dann aus 1984. Regie führte ebenfalls Peter Hymans.

Nachdem die Leonov, ein sowjetisches Raumschiff, bei der Discovery ankommt, die im All um Jupiter treibt und droht in dessen Umlaufbahn zu verglühen, wird HAL 9000 durch Dr. Chandra wieder in Betrieb genommen.
HAL erklärt, dass er aufgrund von widersprüchlichen Befehlen einem Konflikt ausgesetzt war. Letztendlich sah er nur noch die Möglichkeit, die Besatzung zu ermorden, um seine eigentliche Mission vor ihnen zu verheimlichen.
Dave Bowman erscheint nochmals als nicht-materielles Lebewesen und erklärt, dass die Leonov innerhalb von 15 Tagen die Umlaufbahn um Jupiter verlassen muss. HAL opfert sich letztendlich und die Leonov kann mit Hilfe der Discovery den Planeten rechtzeitig verlassen.

Am Ende schickt dann HAL – ja, der wurde zerstört, aber das nehmen wir mal so hin – eine Botschaft von Bowman an die Menscheit: All diese Welten sind euer – außer Europa. Versucht nicht, dort zu landen. Nutzt sie gemeinsam. Nutzt sie in Frieden. Mit Europa ist der Mond von Jupiter gemeint, der durch seine eigene Implosion zu einer zweiten kleinen Sonne wurde. Man kann also vermuten, dass auf Europa eine neue Lebensform entsteht.
2010 ist gar nicht mystisch und geheimnisvoll, wie es 2001 ist sondern trägt die Charakteristika eines gut gemachten Science-Fiction Films mit einer soliden Handlung und guten Schauspielern, allen voran natürlich Roy Scheider und eine junge Helen Mirren.

1987 schrieb Clarke dann das Buch 2061 – Odysee III. In diesem spielt ein greiser Haywood Flloyd mit, den man aus 2010 kennt. Ein Raumschiff stürzt im Buch auf den Mond Europa ab und soll geborgen werden.
Das letzte Buch der Reihe erschien 1997 und trägt den Namen 3001: Die letzte Odysee. Clarke war zu diesem Zeitpunkt 80 Jahre alt. Das Buch greift die Figur des Frank Poole wieder auf. Das ist der Astronaut aus 2001, der durch HAL getötet wurde und 1000 Jahre durch das All trieb. Poole kommt auf eine Erde zurück, in der es künstlich erschaffene Dinosaurier als Nutztiere gibt und eine erdumspannende Raumstation gibt, die mit 4 Weltraumliften besucht werden kann.

Clarke hat seit 2010 immer wieder gesagt, dass die Geschichten nicht einfach nur Fortsetzungen sind, sondern diese in Paralleluniversen spielen. Das gab ihm die Freiheit, verschiedene Dinge in den Büchern zu verändern.

Die Musik

Die Entstehung der Musik zum Film kann man übrigens durchaus auch als kleine Odysee bezeichnen. Stanley Kubrick wollte ursprünglich Carl Orff als Komponist für den Film gewinnen, da ihm die Carmina Burana so gut gefiel. Orff, damals 71 Jahre alt, lehnte auf Grund seines Alters ab.

Kubrick suchte sich dann den Komponisten Frank Cordell. Die beauftragte Adaption von Gustav Mahlers 3. Sinfonie fand aber nicht die Zustimmung von Kubrick und wurde im Film nicht verwendet.

Einen weiteren Versuch gab es dann mit Alex North, der die Musik zum Film liefern sollte. Also North eine Rohfassung des Films durch Kubrick gezeigt bekam, waren einige Szenen wohl bereits mit klassischer Musik unterlegt und North sollte sich dadurch inspirieren lassen.

Alex North schrieb dann Musik für die erste Hälfte des Films und diese wurde dann durch Henry Bryant mit einem Orchester in London aufgenommen. North fühlte sich auf Grund einer Krankheit zum Dirigieren nicht mehr in der Lage.
Als er dann den zweiten Teil der Musik komponieren wollte, teilte ihm Kubrick mit, in der zweiten Filmhälfte keine Musik mehr verwenden zu wollen, so dass kein Bedarf mehr für weitere Musik bestand. Letztendlich wurde die Musik von Alex North gar nicht im Film verwendet, was North wiederum erst bei einer Vorabaufführung des Films erfuhr.
Die Musik von North, eingespielt von Henry Bryant wurde dann letztendlich 1997 doch noch auf CD veröffentlicht.

HAL 9000

HAL 9000, der Supercomputer an Bord der Discovery wurde im Original von insgesamt 3 Sprechern vertont. Ein ursprünglicher Entwurf sah vor, dass HAL entweder ein Android sei. Ein anderer wiederum versah HAL mit dem Namen Athena und mit einer weiblichen Stimme.

Wie gesagt, drei Sprecher wurden engagiert, um HAL ihre Stimme zu leihen. Während der erste Sprecher Nigel Davenport bei den Dreharbeiten dabei war und seinen Text sprach, damit die anderen Schauspieler besser mit ihm interagieren konnten, wurde dieser nach ein paar Wochen von Kubrick ersetzt, da ihm der britische Dialekt zu stark war. Der zweite Sprecher Martin Balsam wurde engagiert und sprach den Text in einem Studio in New York. Auch hier war Stanley Kubrick unzufrieden mit dem Ergebnis und der dritte Sprecher Douglas Rain durfte sich an Werk machen. Rain sprach den Text in der Post-Production, angeblich barfuss mit hochgelegten Beinen, damit er so relaxt klingt. Diese Arbeit gefiel Kubrick offensichtlich. In 2010 spricht Douglas Rain dann erneut HAL, diesmal wurde der Text aber bereits in der Pre-Production aufgenommen. So kam es, dass sich Rain und Dullea (Rolle Dave Bowman) nie trafen.

Auch in den beiden Büchern 2061 und 3001 kommt HAL erneut vor.

HAL sagt übrigens nie „Guten Morgen Dave“, auch wenn das einer der angeblich bekanntesten Zitate von im ist. „Guten Morgen Dr. Chandra“ wird in 2010 durch HAL gesagt. Nah dran, aber trotzdem falsch.
HAL 9000 ist auf Platz 13 der AFI Liste der 100 größten Film-Bösewichte.

Die Ausstellung

Der Film kam – wie bereits erwähnt – 1968 in die Kinos. Und zum 50jährigen Jubiläum gibt es im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt noch bis zum 23. September diesen Jahres eine Sonderausstellung zum Film und seiner Entstehungsgeschichte.

Wer also in der Nähe wohnt und mal nicht weiß, was man sonst anstellen könnte, kann ja mal nach Frankfurt fahren und sich die Ausstellung anschauen.

Abschluss und persönliche Rezzesion

In der Sendung heute gab es zwei sehr unterschiedliche Soundtracks zu hören. Auf der einen Seite die Musik, wie sie im Film verwendet wurde und entweder bestehende Musikstücke sind oder eben darauf basieren. Auf der anderen Seite dann der nicht fertiggestellte Soundtrack von Alex North, der mitten in seiner Arbeit abbrach und dann auch noch bei einer Pressevorführung davon erfuhr, dass seine Musik im Film nicht verwendet wurde. Ich habe natürlich beide Soundtracks gehört und muss zugeben, dass ich mir die Musik von Alex North nur schwer im Film vorstellen kann.

Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass der Film alles in allem ein wenig merkwürdig, aber stilistisch eine Wucht ist. Wenn man sich auf den Erzählstil und vor allem die Geschwindigkeit einlässt, so genießt man großes Kino. In der heutigen Erzählgeschwindigkeit wäre der Film wohl in unter einer Stunde erzählt. Minutenlang werden Szenen gezeigt, die zur eigentlichen Handlung nichts beitragen. Man hört nur Schnaufen, während ein Astronaut in einem kleinen Pod eine Antenne im Weltall repariert. Es ist die Liebe zum Detail, die den Film gut macht. Viele Einstellungen zeigen einfach nur technische Errungenschaften und Special Effects, wenn man es so nennen kann. Viele sind Tricks mit der Kameraführung und der richtigen Einstellung. Allerdings muss ich sagen, dass ich nach dem Film nicht wirklich schlauer bin und auch nicht ganz nachvollziehen kann, was genau die Mission der Discovery auf Jupiter hätte sein sollen. Erst mit der Fortsetzung 2010 wird alles ein wenig klarer.

Mir persönlich macht so was ja nichts aus und ich kann einen Film dennoch genießen. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich bei heutigen Filmen weniger nachsichtig wäre, wenn ich mit mehr Fragezeichen aus dem Kino rauskomme als ich reingegangen bin.

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